Medien-Praxis-Abend an der Grundschule Sachsenweg

vorbesprechung(Digitale) Medien eignen sich hervorragend um die Kinder davor “zu parken” und um einfach mal in Ruhe etwas erledigen zu können. Getrieben von der Sorge, dass dies der einzige Einsatzbereich von Medien sein könnte, habe ich überlegt was man dagegen unternehmen könnte. Angeregt durch die Idee von Guido Brombach einen Medienpraxisabend für Eltern in Grundschulen durchzuführen, habe ich gemeinsam mit Christina, Alex und Stef einen solchen Abend für die Grundschule Sachsenweg vorbereitet und durchgeführt. Nachfolgend möchte ich berichten, was wir dort mit den ca. 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gemacht haben und allen die versprochenen Materialien bereitstellen, so dass in aller Ruhe weiter experimentiert und gearbeitet werden kann.

agendaDas Ziel des Abends sollte sein, einen produktiveren Zugang zu Medien aufzuzeigen, einen Austausch unter den Eltern zu ermöglichen und Spaß zu haben. Die erste Herausforderung war einen Elternabend in der Schule anzukündigen, der nicht dem Klischee eines Elternabends entsprechen sollte. Wir wollten keine Vorträge halten, sondern gemeinsam Medien produzieren und aktiv sein.

Wir hatten drei Stationen geplant und wollten nach einer gewissen Zeit den Teilnehmern noch mal einen Stationswechsel ermöglichen. Wie sich später rausstellen sollte, war das im geplanten Zeitrahmen nicht sinnvoll. Wir haben uns im Anschluss an die Arbeitsphase dafür etwas mehr Zeit für Berichte aus den jeweiligen Gruppen und eine gemeinsame Reflexion genommen.

Folgende Stationen haben wir angeboten:

  • Stop-Motion
  • Geocaching
  • Erfinderecke

Stop-Motion

stop-motion2

Ein Stop-Motion-Film setzt sich aus einzelnen Bildern zusammen. Bei einer schnellen Abfolge der einzelnen Bilder entsteht die Illusion einer fortlaufenden Bewegung.
Die Aufnahme eines Stop-Motion-Films erfordert ein Smartphone, ein Tablet (alle inkl. Kamerafunktion) oder eine ganz normale Kamera. Stop-Motion-Apps gibt es sowohl für das Betriebssystem Android als auch für iOS. Für Audioaufnahmen wird am Laptop ggf. ein externes Mikrofon benötigt.

Aufgabe/Ziel der Station

stop-motion1

  • Verständnis für die Entstehung von (Animations-)Filmen entwickeln.
  • Wie kann ich selbst einen Animationsfilm erstellen?
  • Warum gehen einige Dinge im Film, aber nicht im echten Leben?
  • (Technische) Rahmenbedingungen für einen Film (Licht, Perspektive, Idee/Story),
  • ggf. welche Möglichkeiten bieten Filmschnitt, Nachvertonung, …

Apps

Hier zwei beispielhafte Ergebnisse des Abends


Geocaching

Geocaching ([‘dʒiːoʊ̯kæʃɪŋ] oder [‘geːokɛʃɪŋ], von griechisch γῆ, gē „Erde“ und englisch cache „geheimes Lager“), auch GPS-Schnitzeljagd genannt, ist eine Art elektronische Schatzsuche oder Schnitzeljagd. Die Verstecke („Geocaches“ [‘geːokɛʃs], kurz „Caches“ [kɛʃs]) werden anhand geographischer Koordinaten im Internet veröffentlicht und können anschließend mit Hilfe eines GPS-Empfängers gesucht werden. Mit genauen Landkarten ist auch die Suche ohne GPS-Empfänger möglich.

Beispiel für ein Geocache - hier als Schnecke getarnt CC BY-SA Andy Rogers
Beispiel für ein Geocache – hier als Schnecke getarnt
CC BY-SA Andy Rogers

Ein Geocache ist in der Regel ein wasserdichter Behälter, in dem sich ein Logbuch sowie häufig auch verschiedene kleine Tauschgegenstände befinden. Der Besucher kann sich in das Logbuch eintragen, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren. Anschließend wird der Geocache wieder an der Stelle versteckt, an der er zuvor gefunden wurde. Der Fund kann im Internet auf der zugehörigen Seite vermerkt und gegebenenfalls durch Fotos ergänzt werden. So können auch andere Personen – insbesondere der Verstecker oder „Owner“ (englisch für „Eigentümer“) – die Geschehnisse rund um den Geocache verfolgen. Wesentlich beim gesamten Such- und Tauschvorgang ist, dass von anderen anwesenden Personen das Vorhaben nicht erkannt wird und so der Cache Uneingeweihten verborgen bleibt.

Quelle: Seite „Geocaching“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 3. Mai 2015, 08:40 UTC. (Abgerufen: 20. Mai 2015, 18:44 UTC)

Aufgabe/Ziel der Station

  • Kennenlernen von Geocaching
  • Wie kann eine Schnitzeljagd mit Smartphones aussehen?
  • Bewusste Wahrnehmung der Umgebung (Hier muss es irgendwo sein!).

Wir haben zunächst mit einer selbst erstellten, digitalen Schnitzeljagd auf Basis des Dienstes Actionbound begonnen. Auch hier können Aufgaben an bestimmte Orte gebunden sein.
Diese Schnitzeljagd wurde extra für den Medien-Praxis-Abend erstellt und ist auch zum jetzigen Zeitpunkt noch spielbar. Zu finden ist sie unter https://de.actionbound.com/bound/gssawe (Jetzt auch mit den richtigen Antworten zu den Fragen und erweiterten Aufgaben. Hier gab es am Abend ein technisches Problem, wie das immer so ist.) Actionbound ist für private Zwecke kostenlos nutzbar und lässt sich z.B. bei Kindergeburtstagen nutzen.

Später wurde noch ein “richtiger” Geocache gesucht, der extra auf dem Gelände platziert war und den Ansprüchen für den Abend angepasst war. Die anderen regulären Caches im unmittelbaren Umfeld waren nur mit etwas mehr Aufwand oder Zusatzausrüstung erreichbar und waren deshalb ungeeignet.
geocache-amort geocache-dose

Der Workshopcache ist jetzt in der Nähe der Schule als normaler Geocache dauerhaft installiert und ist auch für das Geocachen mit Vor- und Grundschulkindern geeignet. Koordinaten und weitere Informationen sind unter http://coord.info/GC5W9GJ zu finden. Bereits eine Stunde nach Veröffentlichung des Caches unter Geocaching.com hat der erste “echte” Geocacher den Cache gefunden (geloggt).

Als Outdoor-Smartphone Spiel ist auf jeden Fall auch Mister X (iOS, Android) zu empfehlen.
Hier braucht man mehrere Spieler oder Teams die versuchen Mister X zu fangen.

Erfinderecke

 

Aufgabe/Ziel der Station

bastler

  • Kennenlernen neuer Bedienungsmöglichkeiten für den Computer (MakeyMakey).
  • Entwickeln gemeinsamer Spielideen (MakeyMakey).
  • Erste Schritte mit dem “Internet of things” (MakeyMakey).
  • Wie klein kann ein “normaler” Computer sein (z.B. Raspberry Pi)?
  • Was ist “Virtual Reality” bsp. Cardboard?
  • Einfache Physik mit Flachbatterien, Vibrationsmotoren, LEDs und Nagelbürsten zum Bürstenroboter.

Raspberry Pi

(Der Minicomputer) Homepage https://www.raspberrypi.org
Infos auf deutsch http://raspberrypiguide.de
Der Lehrer Tobias Hübner hat eine Reihe kostenloser Themenhefte veröffentlicht. Eines auch zum Thema Raspberry Pi. Außerdem hat er ein Videotraining veröffentlicht. Einen ersten Eindruck was mit dem Gerät möglich ist zeigt der Trailer zum Videotraining.

MakeyMakey

(Das Interface um z.B. Bananen anzuschließen.) Letztlich wird der MakeyMakey per USB an den Computer angeschlossen und dort als Tastatur erkannt, weshalb normalerweise keine Software installiert werden muss. An den MakeyMakey können dann physische Gegenstände angeschlossen werden, die beim Schließen des Stromkreises (idR. Kontakt mit einem geerdeten Gegensatand) eine bestimmte Aktion auslösen (Tastendruck simulieren). Der Computer kann also bis zu einem bestimmten Maße über Gegenstände im Raum gesteuert werden.

banana-drumkit

Mehr dazu findet man auf der Website http://makeymakey.com und im zugehörigen Vorstellungsvideo.

Geeignete Spiele
Pong https://scratch.mit.edu/projects/10105317/
Flugzeugrennen https://scratch.mit.edu/projects/3190093/
Tetris http://www.freetetris.org/game.php
Bongos http://makeymakey.com/bongos/
Canbalt http://adamatomic.com/canabalt/
Irrgarten http://makeymakey.com/guides/maze.php

Für die Präsentationsrunde haben wir eine Installation aufgebaut die ein Tetris-Spiel für drei Personen abgebildet hat, das heißt die drei mussten sich einigen, wer die Steuerung übernimmt, die Person in der Mitte oder die Äusseren. Sobald der Kontakt zwischen der geerdeten Person in der Mitte und einer Person an der Seite hergestellt war, wanderten die Tetris-Steine in die jeweilige Richtung.
tetris-team

Cardboard

cardboardCardboard war eigentlich eher als Spielerei im Workshop gedacht. Genau so war es auch. Dieses kleine Pappgestell ermöglichte es, auf einfache Art das eigene Smartphone mit der passenden App in eine Achterbahn und ähnliches zu verwandeln.
Welche Apps sich hierfür eignen, hat wieder einmal Guido Brombach in einem Blogbeitrag zusammengefasst.

Bürstenroboter

bristlebotEin schönes elektrisches Bastelprojekt sind Bürstenroboter. Mit einem Vibrationsmotor, kleinen Batterien, Kabeln und vielleicht noch ein paar LEDs lassen sich auf eine Zahn- oder Nagelbürste kleine flitzende Monster bauen. Der Kreativität sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Leider hatten wir an diesem Abend keinen Lötkolben zur Hand, deshalb konnten wir die Idee nicht umsetzen, sondern nur ein mitgebrachtes Exemplar betrachten. Wer jetzt sofort zuhause loslegen möchte kann aus dem Internet eine Anleitung suchen und sich im folgenden Anleitungsvideo Inspiration holen.

Reflexion

reflexionInsgesamt war der Wunsch nach Austausch relativ hoch. Zum einen, zu den aufgebauten Stationen, aber auch zur Mediennutzung in der Familie. Welche Apps sind gut für mein Kind, wie regel ich das mit dem Fernsehen, welche Regeln wollen wir für unsere Kinder oder für die ganze Familie.
Wir haben es nicht im Workshop besprochen, aber den Hinweis möchte ich hier trotzdem platzieren.
Das medialitercylab der Uni Mainz hat 2013 einen offenen Onlinekurs zu Kinderapps durchgeführt. Eines der Ergebnisse ist ein Kriterienkatalog zur Prüfung von Apps. Dieser Katalog ist relativ umfangreich. Man kann auch schauen welche Apps damals schon geprüft wurden. Vielleicht hat sich ja doch nicht sooo viel getan.
Ausserdem hatten wir noch das Buch Netzgemüse empfohlen. Es ist zwar kein Fachbuch im eigentlichen Sinne, liefert aber sehr schöne Anregungen für den Medienumgang in der Familie.

Netzgemüse
Aufzucht und Pflege der Generation Internet
2012. Originalausgabe
Taschenbuch, Klappenbroschur, 288 Seiten
Goldmann
ISBN 978-3-442-15743-3

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